Harwich - Harwich (920 km)
Harwich - Ipswich - Framlingham - Haleston - Lowestoft - Great Yarmouth - Norwich - Cawston - Blakeney - Cromer - Cawston - Swaffham - Ely - Cambridge - London - Colchester - Harwich
Routenverlauf bei Google-Maps
Der Verlauf wird auf der Karte nur ungefähr widergegeben (Routenplanung für Auto), da ich mit dem Rad natürlich Nebenstraßen gefahren bin. Dies ist auch der Grund für die Abweichung in der Gesamt-Kilometerangabe.
Die Tour durch England (oder besser gesagt, den Osten Englands) war meine erste Tour, die ich unternahm.
Ich radelte vorher zwar auch schon durch Deutschland, aber dort waren es dann eher nur 2-Tages Touren. Es war für mich das erste Mal, dass ich mehr oder weniger alleine ins Ausland reiste. Mit meinen jungen 17 Jahren war es für mich schon relativ abenteuerreich, obwohl es 'nur' nach England ging. Aber es war dennoch eine Herausforderung, weil ich vorher noch nie in dieser Weise auf mich selbst gestellt war. Da half auch die Gegenwart eines Freundes nicht,
mit dem ich die Tour zusammen machte. So ging ich mit einem doch recht mulmigen Gefühl von Board der Fähre. "Wie wird das hier alles wohl?", "Finden wir immer einen geeigneten Camping-Platz?", "Wo kriegen wir etwas zu essen?" - Alles (im Rückblick vielleicht auch alberne) Fragen, die mich beschäftigten und welche letztendlich auch Ausdruck meiner Verunsicherung waren. Diese
sollte sich aber erfreulicherweise bald legen.
In Harwich, wohin wir mit der Fähre von Hamburg fuhren, machten wir zunächst den nächsten Campingplatz aus und steuerten diesen zielstrebig an. Ich muss gestehen, dass ich gar nicht mehr weiß, ob wir dort nicht ungeachtet des unspektakulären Stadtbildes von Harwich 2 Nächte blieben, um uns erst mal an England zu
'gewöhnen'. Am nächsten Tage hieß es jedenfalls, erst mal einen Supermarkt ausfindig zu machen. Unerfahren wie wir waren, kauften wir uns eher Lebensmittel, wie wir sie auch zu Hause essen würden - Brot und Marmelade statt Müsli und Trockenobst.
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| Bei meiner ersten Tour war ich mit hoffnungslos viel zu viel Gepäck unterwegs - sogar mit einem kleinen Rucksack auf dem Rücken. |
Es gibt also doch auch 'Wohnkultur' in England ;o) |
Unsere Route führte uns zunächst über Ipswich und Woodbridge parallel zur Küste durchs Landesinnere. Auf dem Weg bis Ipswich und etwas danch gab es nicht allzu viel spannende Dinge zu sehen. Das Auge hatte
sich schnell an die etwas hüglige Weide- und Ackerbaulandschaft gewöhnt. Nur mit dem ständigen Auf und Ab hatten wir nach wie vor zu kämpfen. Ein Schwerpunkt dieser Radreise sollten die für England typischen Landsitze
und Schlösser sein. In Framlingham hatten wir dann die Möglichkeit eines dieser Schlösser anzuschauen. Eingebettet in einen sehr gepflegten Park, erregte es aber letztendlich
doch nicht das Interesse, wie ich es mir erhofft hatte. Und so kam es, dass wir uns noch mal die einer oder andere Burgruine während dieser Tour anschauten, uns aber ansonsten auf die Städte
konzentrierten. Bei Harleston bogen wir Richtung Osten ab und kamen nach Lowestoft.
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| Schloss Framlingham |
Oldtimer-Museum bei Bungay |
Auf dem Wege nach Lowestoft machten wir Halt bei einem Oldtimer-Museum. Es waren verschiedenste Modelle als auch alte Busse zu bestaunen. Ohne uns aber zu lange aufzuhalten ging es dann doch endlich an die Küste. In Lowestoft war erst mal Pause angesagt. Dass die Engländer ein anderes Empfinden
für 'Kälte' haben, merkten wir daran, dass viele trotz der nicht wirklich hohen Lufttemperaturen es sich nicht nehmen ließen, in der Nordsee baden zu gehen. Von der
Wassertemperatur mal ganz zu schweigen. Generell konnten wir uns über das Wetter nicht beklagen. Wir hatten in den 2 1/2 Wochen, die wir auf der Insel waren, vielleicht nur ca. 4 Tage mit
Regen oder Schauern. Für England sicherlich mehr als ungewöhnlich. Noch zwei Tage vorher hatten wir auf einem Campingplatz ein Päarchen aus Deutschland getroffen, die uns
erzählten, dass es die gesamten 3 Wochen vorher (also vor unserer Ankunft) nur geregnet hätte.
| Norwich stand als nächstes auf dem Plan. Es war die erste Stadt, die vom Stadtbild her etwas zu bieten hatte. Überragends Merkmal ist vor allen Dingen die Kathedrale mit ihren Kreuzgängen. Auf dem Campingplatz, auf den wir uns für die kommenden zwei Nächte einquartierten, gab es die Möglichkeit, Milch zu kaufen, bzw. zu bestellen. An und für sich nichts besonderes. Jedoch kam diese immer noch klassisch mit dem Milchmann. Und der Campingplatzwärter machte sich einen Spaß daraus, meine damals noch recht labilen Sprachkenntnisse schamlos auszunutzen. Auf meine Anfrage, ob ich bitte
'milk' bestellen könnte, antwortete er, dass er keine Milch habe und solche auch nicht bestellt werden könne. Mit einem Grinsen im Gesicht fügte er hinzu, dass er nur 'klim' verkaufen würde. Nach einigem Hin und Her, habe ich mich dann darauf eingelassen, 'klim' zu bestellen, ohne wirklch zu wissen, was ich nun letztendlich dafür bekommen würde. Erst sehr viel später ist mir aufgefallen, dass er 'milk' nur rückwärts ausgesprochen hatte. |
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Kathedrale von Norwich |
In der Nacht ging ein Gewitter runter, welches seinesgleichen sucht. Während mein Kamerad tief und fest schlief, machte ich kaum ein Auge zu. So heftigen Regen auf der Zeltaußenwand war ich nicht gewohnt. Alles war für
mich zu laut und zu unruhig. Bei einem neugierigen Blick aus dem Zelt heraus stellte ich fest, dass unser Vordach kurz davor war, einzuknicken. Beinahe ein kompletter Eimer Wasser hatte sich darauf niedergelassen. Ein kräftiger Schlag unter das Vordach sollte
das Problem beheben. Jedoch entfernte ich zur Vorsicht das Vordachgestänge und schloss das Vordach am Zelt mit dem Reißverschluß. Man soll es nicht glauben, aber obwohl es 'nur' ein 99 Mark-Zelt von Karstadt war, haben wir die Nacht
trocken über die Runden gebracht.
Am nächsten Tag, fuhr jeder von uns 'auf eigene Faust' mal los. Zelt und Gepäck ließen wir auf dem Campingplatz. Meine Route führte an die Nordküste. Ich wollte einfach nur mal sehen, wie es dort ausschaut. Auf dem Rückwar es Zeit, was zwischen die
Knabberleiste zu kriegen. Ich machte an einer Döner-Bude halt. Den Döner werde ich mein Leben lang nicht vergessen! Keine Ahnung ob die Tabasco-Sauce oder ähnliches rein gekippt hatten - aber der war mal so was von abartig scharf, dass es mir fast den
kompletten Mund- und Rachenbereich weggeätzt hätte. Schnell musste danach etwas zu trinken her. Dass das nur bedingt etwas hilft, wußte ich damals noch nicht.
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| Ostenglische Wohnidylle |
Stadthalle/Theater/Museum/Rathaus (?) in Camebridge |
Die darauf folgenden Tage ging es über Ely nach Camebridge. Eine sehr beeindruckende Stadt, die nicht nur mit römischer Geschichte aufwarten kann, sondern natürlich auch durch ihren Universitätscampus
imponiert. Sehr bald zog es uns aber weiter in die Metropole schlechthing: London. Dabei ergab sich jedoch ein kleines Problem: Wo sollten wir übernachten? Mein Freund besaß keinen Jugendherbergsausweis. Zudem wäre dies sicherlich auch relativ
kostspielig geworden (wir waren ja schließlich noch Schüler!). Hotel oder ähnliches fiel daher sowieso flach. Also war wieder campen angesagt. Doch wo gibt es in London einen Campingplatz, der noch wirklich im weitesten Sinne in (!) London liegt?
Ein Blick auf die Karte verriet es uns: Hackney. Was wir nicht ahnten: Hackney ist in etwa das in London, was die Bronx in New York ist, Kreuzberg in Berlin oder Blankenhagen in Gütersloh.
Als wir dort ankamen wurden wir gleich von einem anderen Deutschen begrüßt, der mit seiner Freundin auch mit dem Rad unterwegs war. Er berichtete uns gleich 'freudestrahlend', dass man ihnen die Fahrräder vorige Nacht erst geklaut hätte,
aber ansonsten wär' alles gut hier! 'Na super!', denken wir noch. Und während wir noch überlegen, ob wir nicht doch weiterziehen und uns eine andere Bleibe suchen, finden wir raus, dass der Kollege schlau genug war, die Räder über
Nacht am Zelt anzuschließen. Dass Blödheit bestraft wird, ist ein Naturgesetz. Schließlich verfügte der Campingplatz über mit schweren Gittern verschließbare Lagerräume. Ergo: wir hatten die Möglichkeit, alle unsere Habe darin unterzubringen.
Tagsüber, so wurde uns seitens der Platzwärterin empfohlen, sollten wir das Zelt lieber leer lassen und nachts nur das mit reinnehmen, was wir wirklich bräuchten. Daran hielten wir uns und hatten keinerlei Ärger.
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| Universität Cambridge |
Tower of London |
Die folgenden vier Tage absolvierten wir getrennt von einander das Londoner Standardprogramm. Westminster Abbey, Tower of Londen, Big Ben, St. Pauls Cathedral etc.. Ihr kennt das ja. Für den Anfang sollte das auch reichen, um einen
ersten Eindruck von dieser Stadt zu bekommen. Unterwegs waren wir immer mit Bus und U-Bahn. So ähnlich wie bei dem Spiel 'Scotland Yard'. Zum Abschluss war mir aber klar, dass ich auf alle Fälle noch mal hierher kommen muss, um mir die Stadt genauer
anzuschauen.
Wir fuhren von London wieder zurück Richtung Harwich. Auf dem Weg dorthin musste das passieren, was noch gefehlt hatte. Mein Freund stürzte und zog sich üble Schürwunden zu. Ich begleitete ihn bis zum
nächsten Haus, wo er sich zunächst die Wunden wusch. Dort wurde er dann auch an das nächste Krankenhaus vermittelt, weil dies die nächste Hilfe war.
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Wir einigten uns darauf, dass ich über Colchester alleine bis Harwich fahren würde, um dort auf ihn zu warten. Auch wenn die Tage vorher häufig von einer gereizten Stimmung geprägt waren, so war ich doch sehr
froh darüber als er am späten Nachmittag dann in Harwich wieder auf dem Campingplatz ankam.
Am nächsten Tag ging unsere Fähre zurück nach Hamburg, wo wir freudig erwartet wurden. So kurz und 'unspektakulär' diese erste Radreise auch war, so lehrte sie mich zwei wichtige Lektionen.
- Entweder klär' mit deinem Freund/in vorher ganz genau die Erwartungen und Wünsche an solch eine Tour ab, oder
- fahre alleine!
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| Mit beiden Füßen gleichzeitg in beiden Hemisphären |
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