Auckland - Christchurch (5004 km)
Auckland - Coromandel Penninsula - Taupo - Tongariro NP - Waitomo Caves - Taranaki - Wellington - Fähre nach Picton - Abel Tasman NP - Golden Bay - Marlborough Sounds - Kaikoura - Christchurch - Lake Tekapo
- Moeraki Boulders - Dunedin - Owaka-Gore - Te Anau - Lake Wakatipu - Lake Wanaka - Haast Pass - Fox Glacier - Greymouth - Westport - Reefton - Lewis Pass - Hanmer
Springs - Christchurch
Routenverlauf Nordinsel und Routenverlauf Südinsel bei Google-Maps
Der Verlauf wird auf der Karte nur ungefähr widergegeben (Routenplanung für Auto),
da ich mit dem Rad natürlich Nebenstraßen gefahren bin. Dies ist auch der Grund für die Abweichung in der Gesamt-Kilometerangabe.

Von Neuseeland hatte ich immer nur geträumt. Wobei das eigentlich zu kitschig klingt. Trifft die Sache auch nur bedingt. Nee, es war eigentlich reines Interesse an diesem Land. Die Frage, wie es am anderen Ende der Welt aussieht, wurde allein durch den Blick in den Atlas geweckt. Dabei hatte ich gar nicht mal einschlägige Werbeprospekte und Zeitschriften geblättert. Dies kam erst, als der Entschluss schon fest stand, dass ich da runter fliegen würde. Nach dem Zivildienst hatte ich erst mal Zeit. Knapp 3 Monate sollten reichen, um die beiden Inseln ausgiebig mit dem Rad zu erkunden. Nach dem Studieren von entsprechendem Info-Material und dem Reiseführer wurde schnell klar, dass Auckland sich als Startpunkt anbieten würde. Und von Christchurch wollte ich dann wieder zurückfliegen.
So ging's über Nordamerika in einer langen Odyssee nach Neuseeland. Am Flughafen angekommen brachte ich erst mal mein Gerödel und das Rad auf Vordermann und buchte mir ein Bett in einem Backpacker-Hostel ziemlich im Zentrum Aucklands. Es war eine urige Atmosphäre. Und nachdem ich mich ein wenig gefangen hatte, gab ich meiner Müdigkeit nach und holte erst mal ordentlich Schlaf nach. Der Jet-Lack forderte seinen Tribut. Eindringlich meinte die Herbergsmitarbeiterin zwar, dass das nicht gut sei, und man solle bis zum Abend mit dem Schlafen warten. Aber das ging bei mir nicht. Mit dem Einschlafen hatte ich in der darauffolgenden Nacht trotzdem kein Problem. Etwa 4 Tage brachte ich in Auckland zu. Während dieser Zeit musste auch eine Entscheidung gefällt werden, wie ich die Tour eigentlich fahren wollte. Ziemlich irritiert von alle dem, was mir an Sehenswürdigkeiten durch die Prospekte und den
Reiseführer angepriesen wurde, entschied ich mich, das sogenannte Northland aus Zeitgründen auszulassen und zunächst zur Coromandel-Halbinsel zu fahren. Von dort ging's dann durch die Mitte an den Vulkanen vorbei quer rüber zur Ostküste, vorbei am Mt. Egmont und dann runter nach Wellington.
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| auf einer 'gravel road' über die Coromandel Halbinsel |
am Hot Water Beach |
Bei der Coromandel-Halbinsel war ein Highlight natürlich der Hot Water Beach. Bei entsprechender Tide kann man am Strand Löcher buddeln, in die von
unten her heißes Wasser nach oben strömt. In Mischung mit dem kühlen Meerwasser lässt sich so eine super Outdoor-Badewanne am Strand basteln. Wenn
man allerdings nicht aufpasst, kann es passieren, dass man sich schnell den Hintern verbrennt.
Über einen anderen Reiseradler wurde ich auf das neuseeländische Eis aufmerksam gemacht. Für 2 Dollar bekam ich eine Portion, für die ich nach
dem damaligen Umrechnungskurs in Deutschland locker das Doppelte bezahlt hätte. In Neuseeland gibt's keine Eisdielen, wie wir es hier kennen. Dort
bekommt man ein portioniertes Eis im Tante-Emma-Laden um die Ecke. Die Sorten suchen ihresgleichen. 'Hokey Pokey' ist sicherlich die bei Touristen
bekannteste. Mein persönlicher Favorit ist allerdings 'Gold Rush' oder 'Gum Drops' oder auch 'Yummi Gummy' genannt.
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| am Strand nahe der 'Cathedral Cove' |
Neuseelands Nationalfrucht |
Bei Te Puke schaute ich mir im Kiwi-Country den Anbau und die Ernte der Frucht an, die quasi als Synonym für die Menschen in Neuseeland
und deren Nationaltier steht. Sicherlich hätte ich mir das ganze Drum-Herum der süß-sauren Stachelbeere in einer herkömmlichen Plantage
anschauen können. Aber in diesem Urlaub sollte und wollte ich nicht das erste Mal auch ein Tourist sein (dürfen).
Bei Rotorua war das Wetter suboptimal. Hier wollte ich den typischen Touristen-Nepp vermeiden und entschied mich, im Waiotapu Thermal Areal die
unmittelbaren Erscheinungen des Vulkanismus anzusehen. Auch im Tongariro-Nationalpark bekommt man einen Eindruck davon, dass die Berge hier
ihr Aussehen einem anderen geologischen Prozess zu verdanken haben, als wir es beispielsweise von den Alpen her kennen. Mich beeindruckten
die symmetrischen Formen der Vulkane. So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen.
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| blubbernde Matsche nahe Rotorua |
selbsterklärend |
Als ich einige Tage zuvor aus Auckland rausfuhr und zum späten Nachmittag eine Übernachtungsmöglichkeit suchte, landete ich per 'Zufall' auf einem Gelände,
auf dem einige Lodges standen. Dort tagte gerade eine Gruppe von Adventisten oder Pfingstlern; so genau weiß ich das nicht mehr. Jedenfalls wurde ich
freundlich aufgenommen. Und aus Furcht vor den bösen Oppossums, welche sich gerne über die mühsam mitgeschleppten Vorräte in den Fahrradtaschen hermachen,
bot man mir einen freien Raum in einer Lodge an, wo ich meine Iso-Matte ausrollen konnte und besagte Utensilien sicherlich sicher vor den aus Australien
importierten, plüschigen Langfingern wären. So erlebte ich sogleich die unkomplizierte Gastfreundschaft der Kiwis. Dort lernte ich auch Familie Cowle
aus der Nähe von Palmerston North kennen, die ich auf meinem Weg nach Süden doch auf alle Fälle besuchen kommen sollte. Dies tat ich dann auch. ...Cowle
hatte zudem einen Bruder in Wellington, von dem sie sich sicher war, mich ebenso für ein paar Tage aufzunehmen. Nicht lang gefackelt - angerufen und
voraussichtliche Ankunftszeit in Wellington abgemacht. Neuseeländer sind aber auch für (fast) jeden Schabernack zu haben. Wahrscheinlich wohlwissend,
dass ich sowas wie 'Marmite' oder 'Vegemite' nicht kenne, ließ man mich dort im Rahmen der lockeren und freundlichen Gastfreundschaft ins offene Messer
laufen. Ohne jede Vorwarnung und -ahnung schmierte ich mir das schwarze Zeugs Nutella-dick auf's Brot. Danach brauchte ich 7 1/2 Jahre, um der schwarzen
Pampe in gemäßigteren Mengen wieder eine Chance zu geben.
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| rechts der gleichnamige Vulkan |
der Beginn einer rauhen Fährfahrt |
Die Überfahrt mit der Fähre ging für mich in die Geschichtsbücher ein. Ich bin selten so seekrank geworden. Mit dem sicheren Bewußtsein, dass mir
bis dato noch nie wirklich auf einem Schiff schlecht geworden war, verdrückte ich vor Abfahrt noch munter einen Bananenmilchshake und ein oder zwei
Sandwiches. Die sogenannte Cook-Strait, welche die Nordinsel von der Südinsel trennt, liegt im Bereich des 40. Breitengrades. Der Ausdruck 'roaring 40ies'
kommt nicht von ungefähr. Sobald die Fähre die schützende Landzunge vor Wellington passiert hatte, spielten die Wellen mit dem Riesenkolloss aus Stahl,
welcher sogar Eisenbahnwagons aufnimmt, wie mit einer Nussschale. Dementsprechend dauerte es nicht lange, bis sich dann doch mein Magen meldete und
besagtes Bananenmilch-Sandwich-Menü den Rückwärtsgang über die Reling einlegte. Die erste Ladung ging jedoch nicht über die eigentliche Reling, sondern
auf ein Zwischendeck, welches sich unterhalb befand. Ich wechselte die Position, um meine vorverdaute Kost lieber den Fischen und herannahenden
Delphinen zuzuführen.
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| Im Abel Tasman National Park |
...dito |
Ich war froh, als wir die geschützten Gewässer der Marlborough Sounds erreichten. Hier war das Wasser wieder ruhiger. Aber so richtig wohl war mir
erst wieder, als ich an Land ging, bzw. fuhr. Ich steuerte gleich den Campingplatz in Picton an, wo ich mich erholte. Bei meinem mehrtägigen
Abstecher zur Golden Bay machte ich Halt am Abel Tasman Nationalpark. Ich fühlte mich, als wäre ich in der Südsee angekommen. Kristallblaues
Wasser, weiße Strände...- gut die Kokospalmen fehlten. Doch der auf mich exotisch wirkende, neuseeländische Busch tat sein übriges. Nach den
Pupu Springs ging es dann wieder die gleiche Strecke zurück nach Picton. Ich steuerte nun zu meinem nächsten 'typisch-Tourist'-Highlight hinunter.
Ich wollte mir bei Kaikoura Wale anschauen. Dafür musste ich tief in die Tasche greifen. Aber wo sonst bekommt man diese Viecher aus einer
solchen Nähe zu sehen?
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| In den Marlborough Sounds |
Sonnen-getrocknete Weidelandschaft bei Blenheim |
Ich war froh, als wir die geschützten Gewässer der Marlborough Sounds erreichten. Hier war das Wasser wieder ruhiger. Aber so
richtig wohl war mir erst wieder, als ich an Land ging, bzw. fuhr. Ich steuerte gleich den Campingplatz in Picton an, wo ich mich
erholte. Bei meinem mehrtägigen Abstecher zur Golden Bay machte ich Halt am Abel Tasman Nationalpark. Ich fühlte mich, als wäre
ich in der Südsee angekommen. Kristallblaues Wasser, weiße Strände...- gut die Kokospalmen fehlten. Doch der auf mich exotisch
wirkende, neuseeländische Busch tat sein übriges. Nach den Pupu Springs ging es dann wieder die gleiche Strecke zurück nach
Picton. Ich steuerte nun zu meinem nächsten 'typisch-Tourist'-Highlight hinunter. Ich wollte mir bei Kaikoura Wale anschauen. Dafür
musste ich tief in die Tasche greifen. Aber wo sonst bekommt man diese Viecher aus einer solchen Nähe zu sehen? Das Wetter
spielte auch halbwegs mit. Die See war ruhig, als es mit einem PS-starken Boot vor die Küste ging. Die Sicht war auch gut, so dass
sich ein entsprechender Blick auf die Kaikoura Ranges ergab.
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| Ein Wal taucht vor Kaikoura ab |
Am Lake Tekapo |
In Christchurch machte ich nur kurz halt, um den Hinterreifen zu wechseln. Ich hatte sowieso vor, vor meinem Rückflug noch ein paar
Tage in Christchurch zu verbringen. So radelte ich weiter durch die Canterbury Plains in Richtung der 'großen Seen'. Der Lake
Tekapo und der Pukaki See standen auf der Liste. Die Seen stellten sich mir so dar, wie ich sie auch schon auf diversen Bildern
gesehen hatte. Türkis-blaues Wasser und eine wunderschöne Bergkulisse im Hintergrund. Beeindruckend hier besonders war der
Blick auf den Mt. Cook, dem höchsten Berg der neuseeländischen Alpen. In der Nacht, als es in Richtung zurückgehen sollte,
geschah mir ein Unglück, wie es auch nur ein Brillenträger nachempfinden kann. Meine Brille war in der Nacht zerbrochen (wie das
passierte, ist eine Geschichte für sich), und nun musste ich zusehen, wie ich sie reparieren lassen konnte. Zum Glück hatte ich noch
meine Sonnenbrille dabei, bei der die Gläser meine Sehstärke aufwiesen. Ohne diese wäre ich ganz schön aufgeschmissen
gewesen. So steuerte ich Fairly an, eine kleine Ortschaft, in der es zumindest auch eine Art Optiker hatte. Die Mitarbeiter dort
konnten mir jedoch nicht weiterhelfen. So fuhr ich die Strecke, für die ich ursprünglich 3 - 4 Tage angesetzt hatte, in 2 Tagen ab.
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| Blick auf Mt. Cook |
Moeraki Boulders |
In Oamaru hielt ich gleich beim ersten Optiker, der links an der Straße zu finden war. Auch er konnte die Brille zwar nicht sofort löten
und hätte das Gestell erst in die Zentrale nach Palmerston North eingeschickt. Als ich ihm aber erklärte, dass ich auf dem Weg nach
Süden Richtung Dunedin bin, eröffnete er mir eine viel bessere Option. Ich könnte die Brille in 2 Tagen dort in der Filiale abholen.
Das war perfekt, da ich sowieso in 2 Tagen in Dunedin sein wollte. Am nächsten Tag noch konnte ich mir die Moeraki Boulders bei
Sonne ansehen. Da war meine Sonnenbrille recht hilfreich. Große Steinkugeln, die direkt am Strand 'rumliegen' und eigentlich eher nur
bei Ebbe gut zu sehen sind. Angeblich auch wieder vor 10 hoch x Jahren entstanden und dann irgendwann durch 'Zufall', Druck,
Erdkrustenverschiebungen und sonst was an die Erdoberfläche gekommen. Schon klar...
Wie auch immer: am nächsten Tag regnete es. Hier war die Sonnenbrille eher hinderlich, so dass ich sehnlichst nach dem Optiker in
Dunedin suchte. Bald hatte ich ihn auch gefunden und konnte meine reparierte Brille abholen. Jetzt ließ es sich doch wesentlich besser gucken.
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| Albatros auf Fischfang vor der Otago-Halbinsel |
am Nugget Point |
Mein nächstes Ziel war die Albatros-Kolonie am Ende der Otago-Halbinsel. Mein Reiseführer hatte mich schon vorgewarnt, dass auch hier happige Eintrittspreise
verlangt würden, um diese riesigen Vögel aus der Nähe beim Brüten und An-/Abfliegen beobachten zu können. Dies ersparte ich mir. Ich stellte mich neben dem Leuchtturm
auf den Parkplatz, weil die Vögel auch hier immer wieder vorbeifliegen würden. Und wie sie flogen! So ein gefiederter Koloss glitt ca. 2 m über meinen Kopf hinweg.
Albatrosse haben neben den Condoren die größte Spannweite unter den Vögeln. Das Wetter war jetzt etwas besser, sollte aber unbeständig bleiben. Ich fuhr nach Owaka am nord-östlichen
Ende der sogenannten Catlins. Diese Ecke wurde damals von den Touristen kaum beachtet. Mir gefiel es, da es einerseits nicht so überlaufen war und zweitens hier
auch noch neben den Fjordlands relativ große Gebiete mit ursprünglichem neuseeländischen Busch finden lassen. In Owaka bekam ich das Angebot, bei einer Familie
aus Wellington, die hier Urlaub machte, im Auto zu ein paar sehenswerten Punkten mitfahren zu dürfen. Aufgrund des Wetters (starker Gegenwind) nahm ich es gerne an.
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Flug übers Fjordland bei Bilderbuchwetter |
Am kleinen Ort Gore fuhr ich nach Te Anau. Und hier leistete ich mir ein Erlebnis der für mich besonderen Art, ohne dessen die gesamte Reise 'ärmer' ausgefallen wäre:
vom Lake Te Anau buchte ich ziemlich spontan einen 1 1/2-stündigen Rundflug mit einem Wasserflugzeug über das Fjordland. Es war unglaublich, da die Sicht super war. Für das Fjordland
und überhaupt das komplette Westland der Südinsel sehr ungwöhnlich. Ich konnte die komplette Südalpen-Kette überblicken mit den 'Großen' wie zum Beispiel Mt. Aspiring,
Mt. Tasman oder natürlich auch Mt. Cook. Der Milford Sound durfte natürlich auch nicht fehlen. An einigen Schnee- und Gletscherfeldern ging es vorbei zu den Sutherland Falls, die zweithöchsten Wasserfälle der
Welt. Ich machte auch noch einen kleinen Schlenker zum Lake Manipouri von wo aus es dann Richtung Queenstown hochging. Doch hier war ich nur auf der Durchreise. Den ganzen
Touristenrummel wollte ich mir nicht antun.
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am Nugget Point |
Die Westküste war mein nächstes Higlight. Die Bilder, die ich in den Prospekten gesehen hatte, ließen mein Herz höher schlagen. Dichter Busch bis ans Meer, etwas
bergig, rauhes Klima - in der Summe alles, was mich ein wenig an die USA-Westküste erinnerte. Die Westküste ist berühmt-berüchtigt für die hohen Niederschlagsmengen, die dort
jährlich runterkommen. 5000 mm und mehr sind der Durchschnitt. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn man dort mit nicht-tropischen Regenwald zu rechnen hat - und mit
schlechtem Wetter. Letzteres nässte mich auch erst mal ordentlich ein. Am Lake Hawea ging es los. Es regnete die Nacht, die ich dort auf dem Campingplatz verbrachte, durch, und es ging
auch am nächsten Tag damit weiter. 135 km waren es bis nach Haast, wo gerade ein neues Backpacker-Hostel auf gemacht hatte. Dort wollte ich hin, um die nassen Sachen
trocknen lassen zu können. Doch hierfür musste ich erst mal über den Haast-Pass, der genaugenommen im Vergleich zu den europäischen Alpenpässen oder
einschlägigen Bergstraßen im Schwarzwald ein Witz ist. Aber steil ist er - zumindest von der Meerseite her kommend. Doch die fuhr ich ja runter ;o)
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| im Regen zum Haast-Pass |
typischer Regenwald-Busch |
Die Abfahrt war nicht ohne. Die blöden Koolstop-Bremsbeläge verzögerten bei Nässe das beladene Rad nur mit Mühe auf eine halbwegs sichere Geschwindigkeit. Hinzu kamen
die im Schrägwinkel zur Fahrbahn verlaufenden 'cattle stops'; Eisengitter, die für Rinder und Wild überwindbar sind. Diese Dinger sind bei Regen eisglatt. Ein durch
den langen, andauernden Regen kleiner Erdrutsch hatte etwas Geröll auf die Straße gespült. Alles zusammen keine optimalen Bedingungen.
Der Abend im Backpacker-Hostel war aber richtig nett. Ich konnte meine nassen Sachen aufhängen, der Herbergsvater begrüßte mich nett, und es ergaben sich Gespräche
mit anderen Reisenden. Unter solchen Witterungsbedingungen freute man sich sogar auch auf die doch recht spärlich gehaltene Radlerkost. Ein Reisrisotto verschwand
flugs mit einer 'Milo' im Magen.
Bereits am Abend klarte es auf. Und die folgenden Tage sollten bei meinen Reiseerzählungen den Neid vieler anderer Neuseelandreisender auf sich ziehen.
Entlang der kompletten Westküste hatte ich weitgehen gutes Wetter. Dies ist extem selten. Genauso selten ist es, am Matheson See den Spiegeleffekt zu sehen. Früh morgens
machte ich mich auf, um das sich im Hintergrund auftuende Bergpanorama reisekataloggleich auf dem See sich spiegelnd betrachten zu können. Die beiden großen Gletscher (Fox und
Franz-Josef) standen natürlich auch auf dem Programm. Hier nahm ich auch wieder das Auto; auch wieder als Anhalter. Das war mal eine willkommene Abwechslung zum Rad. Und vor allen Dingen
lernt man dadurch Mensch kennen - andere Touristen und auch Einheimische. Vom Fox-Gletscher zurück nahm mich ein neuseeländisches Rentner-Ehepaar mit. Nach ein bisschen Small Talk hier und da
kam dann die Frage, warum denn so viele Deutsche nach Neuseeland kämen. |
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Die Frage an sich hätte nichts verfängliches gehabt, wenn ich nicht am Unterton gemerkt hätte, dass den beiden das eigentlich stinkt und sie womöglich ihr Land für
sich alleine hätten. Nun ja. Ich versuchte die Sache plausibel zu erklären. Und bald war dann die Sache auch gegessen, zumal ich wieder am Campingplatz war.
Den Franz-Josef-Gletscher fand ich schöner, da man von unten deutlich mehr vom gesamten Eisfeld her sehen konnte. Weiter nach Norden kommend verschwindet der dichte
Busch zunehmend der Landwirtschaft. Beim sogenannten Shantytown machte ich kurz halt, um mir einen Eindruck zu verschaffen, wie im 19. Jahrhundert dort ind er Region
nach Gold geschürft wurde. Wenn auch typisch touristisch, so war dieses Freilichtmuseum schön angelegt.
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Die sogenannten Pancake-Rocks beeindruckten mich sehr. Bei entsprechender Tide und der richtigen Windrichtung wird Wasser durch Löcher in den Gesteinsschichten
nach oben gedrückt. Durch den dabei entstehenden Druck wirkt dies wie ein überdimensionierter Springbrunnen. Die Küste zwischen Greymouth und Westport und auch noch weiter
hoch nach Norden gehört für mich zu den schönsten Abschnitten. Vermehrt sieht man die Nikau-Palmen, welche der Szenerie tatsächlich etwas Südseehaftes verleihen.
Zunächst hatte ich eigentlich geplant, mit dem Zug von Greymouth zurück nach Christchurch zu fahren. Ich hatte keinen Bock ein zweites Mal über die Alpen rüber zu müssen - vor allen Dingen
nicht nach bereits ca. 4700 zurückgelegten Kilometern. Aber dann fuhr ich doch. Von Westport ging es dirkt durch die Buller Gorge nach Reefton und von dort aus
über den Lewis-Pass Richtung Hamner Springs.
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Der Pass an sich war gar nicht mal das Problem. Man kurbelt dort von der Westseite her relativ leicht hoch. Aber aus Faulheit, Bequemlichkeit und Doofheit hatte ich nicht genügend
Wasser dabei, bzw. ich hatte vergessen in Maria Springs zu tanken. Die Folge war, dass ich hinterher ziemlich auf dem Zahnfleisch fuhr. Ich hatte noch 50 km vor mir, es war warm, mein Mund trocken
und so gut wie keinen Tropfen Wasser mehr in den Flaschen. Ich war zwar flott unterwegs, doch hatte ich keinen Hungerast, sondern eher äquivalent einen Durstast.
In Hanmer Springs gönnte ich mir auch wieder mal wie so häufig auf dieser Reise ein großes Eis und viel zu trinken. Ein großes Eis gönnte ich mir auch, als ich dann nach gut 5000 km in Christchurch ankam. Genaugenommen gönnte ich mir mehrere Eis. Die Woche, die ich bis
zu meinem Abflug noch hatte, sollte ausreichen, noch mal richtig 'reinzuhauen' ;o) Ich quittierte mich in einem Backpacker-Hostel relativ nah der Innenstadt ein. Auch hier
war die Atmosphäre sehr gemütlich, so dass ich mich gleich sehr wohl fühlte. Neben den eben erwähnten Eis verlangt mein Körper aber auch nach etwas Frischem. Salat und die
entsprechenden Vitamine mussten her. Jetzt konnte ich endlich mal wieder 'normal' einkaufen.
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Viel unternahm ich nicht in Christchurch. Ich fuhr mal zur Banks Peninsula rauf um von dort aus die Stadt, die Canterbury Plains und den Hafen von Lyttelton zu überschauen.
Ich hörte dem sogenannten Wizard zu, der sich bis dato auch bereits zu einer Kultfigur entwickelt hatte und ziemlich viel lustigen Müll in relativ kurzer Zeit erzählen
konnte. Ich ließ es locker angehen in Christchurch. Erholung (klingt besser als 'Rumhängen'), hier und da etwas anschauen, Essen worauf man Lust hat und Fahrrad für den Rückflug
verpacken standen im Vordergrund während dieser letzten Wochen. In jedem Fall hatte mich dieses Land gepackt, und ich wusste damals schon, dass ich nicht zum letzten
Mal dort gewesen sein würde. |
| Das haben wir uns verdient... |
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